Eine geheimgehaltene Jungfernfahrt

Patent Motorwagen Benz & Co MannheimSie wurde zur ersten Fernfahrt der Geschichte, als sich Bertha Benz (39) mit ihren beiden 13- und 15jährigen Söhnen Eugen und Richard im August 1888 in aller Frühe aufmachte, um mit dem Benz-Patent-Motorwagen vom Typ III von Mannheim in das 106 km entfernte Pforzheim aufzubrechen. Die Ehefrau des Erfinders und Ingenieurs Carl Benz tat gut daran, die Fahrt vor ihrem Ehemann geheim zu halten, denn dieser, ein eher vorsichtiger Typ, hätte dies nie erlaubt. Zudem hatte die Polizei Benz ein offizielles Fahrverbot erteilt. Er durfte nur noch ausgewählte Strecken für seine Testfahrten benutzen, da sein Wagen die Pferde scheu machte, was bereits zu Unfällen geführt hatte. So war auch eines der ersten Argumente gegen die technische Neuerung des Automobils neben dem Argument, dass für die schnelle Fortbewegung bereits Eisenbahnen zur Verfügung stünden, den Pferden gehöre die Straße.

Von Ortschaft zu Ortschaft

Die Gelegenheit war auch deswegen günstig, weil gerade die Sommerferien angebrochen waren und Berthas Schwester gerade ein Kind geboren hatte. Doch steckte hinter der Jungfernfahrt noch viel mehr. Ihr Mann hatte sich von der öffentlichen Kritik entmutigen lassen, zumal sich für seinen bereits im Jahre 1886 patentierten Wagen einfach kein Käufer finden lassen wollte. Er hatte den Glauben an sein Projekt verloren, und Bertha, die an die Zukunft des Automobils glaubte, wollte ihrem Mann mit ihrem Unternehmen wieder Mut machen. Während der Fahrt hielt sie Kontakt mit ihrem Gatten, dem sie auf ihren Zwischenstationen Telegramme schickte und von ihren Reisefortschritten berichtete. Bekannt waren ihr und ihren Söhnen der Weg nach Pforzheim nicht, und so näherten sie sich der Stadt an, indem sie bekannte Städte ansteuerten und sich so von Ortschaft zu Ortschaft hangelten. Statt der 106 Kilometer betrug ihre Strecke insgesamt 194 Kilometer. Die Strecke der Jungfernfahrt ist heute eine offizielle Memorial-Route.

Meisterung technischer Probleme


Bertha Benz war für das Abenteuer die Richtige. Sie verfügte über ein gutes technisches Verständnis und hatte die Experimente ihres Mannes mit großem Enthusiasmus begleitet. So war sie in der Lage dazu, diverse technische Schwierigkeiten auf der Route zu meistern. Zum Tanken kaufte sie in Apotheken ein und besorgte sich dort mit dem Ligroin das Reinigungsöl, mit dem auch der Patentwagen fuhr. War die Benzinleitung verstopft, half Bertha einfach mit ihrer Hutnadel aus. Die Isolierung des durchgescheuerten Zündkabels leistete sie mit einem Strumpfband, während sie für Probleme rund um die Bremse eine Lösung fand.

Um dem Verschleiß der Bremsklötze entgegenzuwirken, ließ sie sich von einem Schuster die Bremse mit Leder beschlagen, wobei sie en passant als Erfinderin der Bremsbeschläge in Erscheinung trat. Für den erhitzten Motor ließ sich immer Wasser auftreiben, ob in Gaststätten, an Brunnen oder notfalls aus dem Straßengraben. Wenn ihr und ihren Söhnen für grobe Steigungen die Kraft ausgingen – das Automobil fuhr nur 20 km/h bei 2,5 PS (1,8 kW) und besaß lediglich zwei Gänge – heuerte sie kurzerhand Bauernjungen an, die beim Schieben halfen. Nach der Jungfernfahrt sollten die auf der Fahrt gewonnen Erkenntnisse Carl Benz bei der Weiterentwicklung helfen. Für den Aufstieg erweiterte er die Gangschaltung um einen weiteren Gang, die Bremsbeschläge wurden beibehalten und der Tank deutlich vergrößert.

Folgen der Jungfernfahrt

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. In diesem Sinne war das Unternehmen ein voller Erfolg, denn in den Abendstunden erreichte das unternehmungslustige Trio die Stadt Pforzheim. Auch die Rückfahrt, die sie nach einigen Tagen antraten, gestaltete sich erfolgreich, zumal sie nun eine kürzere Route wählten. Bertha Benz gelang es nach der erfolgreichen Fernreise, die Moral ihres Mannes wieder zu stärken und das Interesse der Öffentlichkeit für das Projekt neu zu entfachen. Nur wenige Wochen später trat Carl Benz auf der Kraft- und Arbeitsmaschinenmesse in München mit seinem Patentwagen auf und erhielt für seine Leistung die Große Goldene Medaille. Es folgten zahlreiche Einladungen in andere Länder. Bis 1894 gelang es Carl Benz immerhin, 25 Wagen größtenteils in das Ausland zu verkaufen. Der Durchbruch erfolgte um das Jahr 1899 herum und Benz konnte mit nunmehr 430 Beschäftigten in die serienmäßige Produktion übergehen.


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